Surrendering Rainbows: When Whales Breathe, We Remember (working title)

Ausgehend von meinen eigenen Erfahrungen mit Long Covid erforscht diese Performance die fragile Verbindung zwischen dem menschlichen Atem, neurologischer Sensibilität und den akustischen Lebenswelten der Wale. Sie übersetzt unsichtbare Erfahrungen von Krankheit und ökologischer Belastung in gemeinsame sinnliche und emotionale Begegnungen – durch Storytelling, Musik und Stille.

Die Performance bewegt sich durch ineinanderfließende Welten: das vibrierende, vom Kommen und Gehen des Wassers geformte Leben eines Gezeitenbeckens – wo Einsiedlerkrebse in gefundenen Muscheln ihre wandernden Heimaten bauen, pink glühende Seesterne an rauen Felskanten festhalten und ein Grauwal still am Strand liegt. Gleichzeitig eröffnet sie die innere Landschaft einer jungen Frau in Berlin, die mit Long Covid lebt. Eine seit Tausenden von Jahren überlieferte Geschichte – von einem Raben, der versucht, seinen Walfreund zurück ins Meer zu führen – wird zu einem mythischen Rahmen für ihren eigenen Kampf um Atem, Gleichgewicht und Orientierung. Während die Klanglandschaft der Stadt unerträglich wird, schrumpft ihre Welt zu abgedunkelten Räumen, die die Desorientierung, Überforderung und sensorische Zerbrechlichkeit widerspiegeln, die auch Meeressäuger erleben, wenn sie sich in einem zunehmend lauter werdenden Ozean zurechtfinden müssen.

Die Arbeit entstand im Rahmen eines Recherchestipendiums der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt im Jahr 2024, mit Feldforschung auf La Gomera (Spanien) zusammen mit Oceanoeiner verantwortungsvoll arbeitenden Organisation für Whale-Watching und Meeresbildung, die mit M.E.E.R. e.V. an langfristigen Forschungen zu Meeressäugern zusammenarbeitet. Zusätzliche Interviews mit Wissenschaftler*innen, lokalen Gemeinschaften und Menschen, die in Berlin mit Long Covid leben, offenbarten parallele Herausforderungen im Umgang mit Klang, Desorientierung und der Suche nach Kohärenz.

Autobiografisches Storytelling, live entstehende Stimmkompositionen und die traditionelle Erzählung vom Raben und dem Wal verweben sich zu der Frage, wie Fürsorge und Orientierung wiedergefunden werden können, wenn der Rhythmus verloren gegangen ist.

Ein Auszug wurde beim Feuerspuren Storytelling Festival in Bremen (November 2025) präsentiert. Die Premiere findet im April 2026 im Theaterforum Kreuzberg in Berlin statt. Sie wird barrierearme Formate umfassen, darunter eine reizreduzierte ‚Liege-Performance‘ in einem abgedunkelten, ruhigen Raum für Menschen, die die Aufführung in liegender Position besuchen müssen. Aktuelle Informationen sind hier verfügbar.